FAZ 08.09.2026
16:50 Uhr

Smart City Ranking: Frankfurt holt bei Digitalisierung auf


Die Großstädte im Rhein-Main-Gebiet machen sichtbare Fortschritte bei der Digitalisierung ihrer Verwaltung und des alltäglichen Lebens. Für Spitzenplätze in der Kategorie Smart City reicht es dennoch nicht.

Smart City Ranking: Frankfurt holt bei Digitalisierung auf

Von Jahr zu Jahr werden ihre Noten besser. Trotzdem liegen die Großstädte im Rhein-Main-Gebiet, deren Digitalisierungsfortschritte jährlich vom Verband Bitkom bewertet werden, in dessen Smart City Index nur im oberen Mittelfeld: Stuttgart, gefolgt von den Vorjahressiegern München und Hamburg, nutzen nach diesem Maßstab in ihrer Verwaltung, aber auch in Sektoren wie Energie und Umwelt, IT und Kommunikation, Mobilität und Bildung noch stärker und erfolgreicher digitale Technologien. Einzig Frankfurt hat sich in der am Dienstag veröffentlichten Ausgabe des Rankings um fünf Plätze auf Rang 20 verbessert und es so zurück ins Spitzenfeld der 83 deutschen Großstädte geschafft. In der Kategorie IT und Kommunikation liegt es bundesweit sogar auf Platz 5, wozu ein gut ausgebautes 5G-Netz und das städtische Geoportal beitragen. In der Gesamtwertung ist Wiesbaden dagegen um sieben Plätze auf Rang 34 abgestiegen, Offenbach von 49 auf 55. Mainz ist von Position 51 auf 42 aufgerückt, Kassel (von 44 auf 46) und Hanau (wieder 70) haben ihre Stellung gehalten. Nach einem dramatischen Abstieg sieht es für Darmstadt aus. Die „Digitalstadt“ lag in den Bitkom-Studien lange auf den vorderen Plätzen, 2026 reicht es nur für Position 28 (nach Rang 17 im Jahr 2025), in der Unterkategorie Verwaltung sogar nur für Platz 73. Dabei ist Darmstadts Gesamtpunktzahl mit 79 von 100 möglichen nahezu unverändert geblieben. Und in der Kategorie Gesellschaft und Bildung sind die Südhessen mit 98,8 Punkten sogar in ganz Deutschland führend. An den Schulen und der Digitalkompetenz der Bürger gibt es demnach nicht mehr viel zu verbessern. „Städte, die zurückgefallen sind, sind in der Regel nicht weniger digital als vorher – nur die anderen sind an ihnen vorbeigezogen“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst bei der Vorstellung der Ergebnisse. Diese beruhen zu einem großen Teil auf der Selbstauskunft der Städte, die zu fünf Teilgebieten Angaben über ihre digitalisierten Angebote gemacht haben. Mehr als 14.000 Datensätze seien so zusammengekommen, überprüft und ausgewertet worden, teilt Bitkom mit. Der Wettbewerb um Fortschritte bei Rathausdiensten, datenbasierter Verkehrs- und Umweltplanung oder auch um moderne Bildungsangebote scheint den Kommunen wichtig zu sein: Alle 83 Großstädte sind dem Aufruf gefolgt und haben über ihre Aktivitäten Bericht erstattet. Die Digitalisierung habe in den Rathäusern den Sprung von der Projektarbeit zur Daueraufgabe geschafft, resümiert Wintergerst. Effizient genutzt werde die neue Technik häufig aber noch nicht. Nach wie vor tüftelten zu viele Kommunen an eigenen Lösungen, statt erfolgreiche Modelle zu übernehmen. Zudem folge die Priorisierung, mit der Software, KI und Automatisierung eingeführt werden, nicht unbedingt wirtschaftlichen Überlegungen. Während Unternehmen in Digitalisierung investierten, um etwa Personal einsparen zu können, werde dieser Effekt in den Rathäusern kaum genutzt, sagt Wintergerst. Dabei sei angesichts der demographischen Entwicklung klar, dass die Verwaltungen künftig mit weniger Personal auskommen müssten.